Faszientherapie

SENDUNG RADIODOKTOR Ö1: WAS UNS IM INNERSTEN ZUSAMMENHÄLT – EINE ENTDECKUNGSREISE DURCH DIE WUNDERSAME WELT DER FASZIEN

Seit etwa zwei, drei Jahren ist der Begriff in aller Munde – und nicht nur in der Sportwelt. Faszienarbeit ist das Zauberwort.
Da wird allerlei Wundersames gemunkelt. Sportverletzungen, die innerhalb kürzester Zeit wieder heilen. Oder jahrelang bestehende Bewegungseinschränkungen, die wie von Zauberhand berührt, plötzlich verschwinden. Allerdings scheint die dafür verantwortliche Fasziendistorsion eine sehr schmerzhafte Behandlungsmethode sein. Und dann sollen diese Hüllen, dieses Bindegewebe, das wir immer wegschneiden, wenn wir ein Stück Fleisch zubereiten, auch noch eines unserer wichtigsten Wahrnehmungsorgane sein ....
Nun denn: Mehr Gründe brauchen wir nicht, um Sie bis ins letzte Detail über dieses Thema zu informieren.
Faszien sind Bindegewebe. Sie umhüllen und verbinden fast alle Strukturen des Organismus. Sie können sich das so vorstellen: Vor Ihnen steht Ihr Chef. Nun wird alles außer dem Fasziennetzwerk aus seinem Körper entfernt. Dann haben Sie ein milchig-weiß schimmerndes, exaktes 3-D-Modell dieser Person vor sich stehen.
Oder andersrum erklärt. Entfernen Sie aus einem Muskel alle Faszien, dann bleibt Zellpudding über.
Das Besondere an dem Faszien-Netzwerk: Es verbindet fast alle Strukturen des Körpers und auch die Organe miteinander. Mit anderen Worten: Wenn ein Faszien-Strang im Bereich der großen Zehe massiert wird, kann es sein, dass Ihre Kniebeschwerden verschwinden oder die Leberfunktion beeinflusst wird.
Faszien finden sich im Körper - grob eingeteilt - in drei Bereichen: Erstens: Im Unterhautgewebe sorgen sie für Elastizität und Form.
Zweitens: Weiter in der Tiefe umhüllen Faszien die Muskeln, Knochen, Blutgefäße und Nervenbahnen. Hier richtet sich ihr Aufbau nach ihren Aufgaben. Sehnenplatten, Bänder, Gelenkkapseln oder eben weiche Trennwände innerhalb von Muskeln. All das sind Faszien.
Drittens: Die sogenannten viszeralen Faszien umhüllen die inneren Organe mit einer Doppelschicht und sorgen damit für deren Gleitfähigkeit. Lungenfell, Bauchfell, Hirnhäute sind einige Beispiele.
Diese Bindegewebeart ist also vielseitig „einsetzbar“. Die Faszien in der Haut sind sehr anpassungsfähig und dehnbar – denken Sie nur an den Zuwachs des Bauchumfangs bei einer Schwangerschaft.
Am anderen Ende des Spektrums steht zum Beispiel die Achillessehne. Sie hält locker Zugkräfte von mehr als 1.000 kg aus und weist daher nur das nötige Minimum an Elastizität auf.
Gesunde und bewegliche Faszien sorgen für schmerzfreies Funktionieren des Körpers. Deformierte Faszien hingegen verursachen Schmerz und Entzündung. Die zentrale Frage lautet daher: Was brauchen Faszien, um gesund und stabil zu bleiben und welche Prozesse schädigen dieses Netzwerk?
 
Eine Sendung von Dr.in Michaela Endemann und Mag.a Carola Timmel.
Redaktion: Dr. Christoph Leprich